„In den Straßen der Kleinstadt herrschte eine auffallende Leere – wo normalerweise das Leben frech pulsierte, also die Menschen auf grauschwarzen Teerschichten vierrädrige Blechkästen spazieren fuhren oder auf ihren stelzenartigen Gliedmaßen durch die quadratisch errichteten Blocks hetzten, fraß lediglich ein verirrtes Stinktier aus einer blechernen Mülltonne und fühlte sich offenbar in Abwesenheit der zweibeinigen Armee wohl. Auch die innerstädtische Einkaufsmeile musste mehrfach ungläubig blinzeln, denn dort, wo normalerweise unverschämte Mengen von Plastiktaschen über den rotfarbenen Pflastersteinboden geschleift wurden und zahllose Kinder plärrend hinter ihren nervlich stark belastenden Müttern her schlurften, gähnte bloß der stadtbekannte Schlendrian Günther, nachdem er hinter dem grünen Glasmüllcontainer zum Leben erwacht war.“

 

Simon Diefenbach, 26, studiert Komparatistik und Theaterwissenschaft in Mainz. Er schreibt, weil es ihm gut tut. Er hat zwei Kurzgeschichten in „Richtungsding – Zeitschrift für junge Gegenwartsliteratur“ veröffentlicht (Ausgabe VI, 2013).

Auf der Textbühne #2 liest er die Kurzgeschichte „Protonenschauer“.

<< zurück zur Textbühne #2